Kaum ein Begriff taucht gerade so oft auf wie „Longevity“. Er klingt nach Zukunft, nach Hightech, manchmal auch nach teuren Trends. Dabei steckt dahinter eine einfache und sehr menschliche Idee. Es geht nicht darum, möglichst alt zu werden. Es geht darum, möglichst lange gesund zu bleiben.
In diesem Beitrag erklären wir in Ruhe, was Longevity wirklich bedeutet und warum Sie darauf mehr Einfluss haben, als Sie vielleicht denken. Das Beste vorweg: Longevity ist keine Frage des Alters. Ob mit 35 oder mit 65 - je früher Sie hinschauen, desto größer ist der Spielraum.
Was Longevity wirklich bedeutet: Lebenszeit und Gesundheitsspanne
„Longevity“ heißt übersetzt Langlebigkeit. Interessant wird der Begriff aber erst durch eine Unterscheidung, die in der Alternsforschung eine große Rolle spielt: die zwischen Lebenszeit und Gesundheitsspanne.
Die Lebenszeit ist die Anzahl Ihrer Jahre. Die Gesundheitsspanne; im Englischen „Healthspan“, ist der Teil davon, in dem Sie sich gesund, klar und leistungsfähig fühlen.
Ein Beispiel macht den Unterschied deutlich. Zwei Menschen sind 80 Jahre alt. Der eine wandert, spielt mit den Enkeln und plant die nächste Reise. Der andere ist seit Jahren auf Hilfe angewiesen. Beide haben die gleiche Lebenszeit. Ihre Gesundheitsspanne aber ist völlig verschieden.
Genau hier setzt der Longevity-Gedanke an: Ziel ist nicht das eine zusätzliche Jahr um jeden Preis, sondern möglichst viele gute Jahre. Die Gesundheitsspanne soll wachsen.
Biologisches statt kalendarisches Alter
Wenn wir vom Alter sprechen, meinen wir meist das kalendarische Alter: die Zahl, die mit jedem Geburtstag steigt. Sie steht im Ausweis, sagt aber wenig darüber aus, wie es in Ihrem Körper tatsächlich aussieht.
Daneben gibt es das biologische Alter. Es beschreibt, wie „jung“ oder „alt“ Ihre Zellen und Systeme arbeiten. Und dieses Alter kann von der Zahl im Pass abweichen. Zwei Menschen mit 50 können biologisch näher an 40 oder näher an 60 liegen.
Das ist die eigentlich gute Nachricht. Das kalendarische Alter läuft unaufhaltsam weiter. Das biologische Alter aber lässt sich beeinflussen. Und damit haben Sie einen Hebel in der Hand.
Die „Hallmarks of Aging“: woran sich Altern zeigt
Altern ist kein einzelner Schalter, der irgendwann umgelegt wird. Es ist die Summe vieler kleiner Prozesse, die sich über Jahre aufaddieren. Die Alternsforschung hat diese Prozesse gebündelt und ihnen einen Namen gegeben: die „Hallmarks of Aging“, die Kennzeichen des Alterns.
Man muss diese Fachbegriffe nicht alle kennen. Ein paar Beispiele reichen, um das Prinzip zu verstehen:
Die Kraftwerke der Zellen, die Mitochondrien, arbeiten mit der Zeit weniger effizient. Das kostet Energie.
Im Körper können stille, niedriggradige Entzündungen entstehen. Fachleute sprechen von „Inflammaging“.
Manche Zellen stellen ihre Arbeit ein, verschwinden aber nicht - sie stören dann im Hintergrund.
Die Schutzkappen der Chromosomen, die Telomere, werden mit jeder Zellteilung kürzer.
Diese Prozesse laufen bei allen Menschen ab. Entscheidend ist das Tempo. Und das ist nicht allein Schicksal. Auch Lebensstil und Umwelt haben spürbaren Einfluss darauf, wie schnell diese Uhr tickt.
Epigenetik: Warum Ihre Gene kein Schicksal sind
Viele Menschen glauben, ihre Gesundheit sei durch die Gene vorbestimmt. „Das liegt bei uns in der Familie“ - diesen Satz hören wir oft. Er stimmt nur zur Hälfte.
Ihre Gene sind der Bauplan. Aber ob ein Gen abgelesen und aktiv wird oder nicht, entscheidet die sogenannte Epigenetik. Man kann sie sich wie einen Dimmer vorstellen, der einzelne Gene lauter oder leiser stellt.
An diesem Dimmer drehen Sie jeden Tag mit. Schlaf, Ernährung, Bewegung und der Umgang mit Stress wirken auf die Aktivität Ihrer Gene ein. Ein Beispiel: Dauerhaft schlechter Schlaf beeinflusst, wie aktiv bestimmte Gene sind. Etwa im Zusammenhang mit Entzündungen und Stoffwechsel.
Das bedeutet nicht, dass Sie alles in der Hand haben. Aber es bedeutet, dass Sie vieles mitgestalten können.
Messen statt raten: der Ansatz der funktionellen Medizin
Wenn das biologische Alter beeinflussbar ist, stellt sich die praktische Frage: Wo stehe ich eigentlich gerade? Genau hier setzt die funktionelle Medizin an.
Funktionelle Medizin schaut darauf, wie der Körper arbeitet, und sucht nach den Ursachen von Beschwerden - nicht nur nach den Symptomen. Ein wichtiger Grundsatz dabei: „Normale“ Werte bedeuten nicht automatisch, dass alles optimal läuft. Zwischen „nicht krank“ und „wirklich fit“ liegt ein großer Bereich.
Deshalb raten wir nicht, sondern schauen genau hin. In der Praxis kombinieren wir dafür verschiedene Verfahren, um ein möglichst vollständiges Bild zu bekommen – zum Beispiel:
- die VNS-Analyse, die einen Blick auf das vegetative Nervensystem und die Stressregulation erlaubt,
- die Bioimpedanz-Analyse (BIA) zur Körperzusammensetzung,
- den E-Scan als Blick auf Stoffwechselprozesse,
- Global Diagnostics als Verfahren zur Regulationsmessung,
- sowie klassische Laborwerte.
Aus diesen Bausteinen entsteht kein fertiges Urteil, sondern eine Grundlage. Sie zeigt, wo es sich lohnt, genauer hinzusehen und welche Schritte zu Ihrem Leben passen. Denn was der eine Körper braucht, ist für den anderen wenig sinnvoll. Ein Plan, der zu Ihnen passt, beginnt mit Ihren Werten, nicht mit einem Durchschnitt.
Fazit: Longevity beginnt mit einer Bestandsaufnahme
Für Longevity gibt es keine Wunderpille und es sie ist auch ganz bestimmt kein kurzlebiger Trend. Es ist vor allem eine Haltung: früh hinzuhören und hinzusehen, statt abzuwarten. In Zusammenhängen zu denken, statt Einzelwerten nachzujagen. Und die Qualität der Jahre in den Mittelpunkt zu stellen, nicht nur die Zahl der Jahre.
Der erste Schritt ist immer der gleiche - eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wenn Sie wissen möchten, wo Sie heute stehen, begleiten wir Sie gern dabei. Vereinbaren Sie einen Termin. Wir schauen gemeinsam hin.
Über den Autor
Carsten Jung ist Heilpraktiker und Osteopath mit über 20 Jahren Erfahrung und leitet das Naturheilzentrum CaJu in Nürnberg, eine Praxis für funktionelle Medizin und Longevity.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder heilpraktische Beratung.

